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Andrea Boscoli

Rom 1608


Andrea Boscoli wird um 1560 in Florenz geboren und ist zusammen mit Gregorio Pagani und Agostino Ciampelli Schüler von Santi di Tito. Im Jahr 1583 immatrikuliert Boscoli sich an der Florentiner Accademia del Disegno. Seine dortige Ausbildung zwischen den 1580er und 1590er Jahren erfolgt zwischen der Anziehungskraft der "Reform" seines Lehrers.
Die Ausbildung basiert auf einer konstanten Schulung im Zeichnen nach der Natur, und der Aufmerksamkeit für künstlerische Formen, die Andrea Boscolis eigenen Stil charakterisieren: Seine Art der darstellerischen Lebendigkeit und die kosmopolite Offenheit des Federico Zuccari, die Wiederentdeckung von Künstlern des frühen toskanischen Cinquecento, das Studium der nordischen Druckgrafik sowie das Interesse für die künstlerische Entwicklung außerhalb von Florenz, beeindrucken stark.
Andrea Boscoli reist 1587 nach Venedig, was durch Zeichnungen nach Tizian dokumentiert ist; noch im selben Jahr besucht er Rom, wo er u.a. nach antiken Statuen und Reliefs sowie nach Raffaels Loggien zeichnet.
In Rom lernt der Künstler vermutlich die profanen Dekorationen von Jacopo Zucchi und den Zuccari kennen und kommt wohl mit nordischen Künstlern in Berührung.
Zu diesem Zeitpunkt entstehen auch Boscolis Fresken für die Capp. della Cella von Giovanni Angelo Montorsoli im Servitenkonvent, wo die klare Lebendigkeit der Farben und die Schlichtheit der religiösen Szene den Einfluss von Santi di Tito, den Zuccari und von Federico Barrocci verraten.

Um 1592 in seinen geschaffenen mythologischen Fresken der Villa della Seta in Corliano/Pisa drückt sich Boscolis Begabung zum profanen Genre aus, worin sich der Künstler deutlich von seinen Florentiner Zeitgenossen unterscheidet. In vielen Werken aus dem letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts richtet sich Andrea Boscolis Augenmerk auf lebhafte Licht- und Schatteneffekte in verschiedenen Raumgestaltungen.
Im Jahr 1597 führt der Künstler Boscoli eine Serie von Zeichnungen nach der Passion Christi aus, die von Pieter de Jode gestochen und dem Sieneser Verleger Matteo Florimi gedruckt werden. Darüber hinaus schafft Boscoli in Florenz einige große Altartafeln und kleine religiöse und profane Gemälde für private Auftraggeber.
Das anschließende Jahr 1600 markiert den Beginn einer neuen Phase mit einer umfassenden Aktivität als Freskant und Maler großer Altarbilder in den Marken; in den Arbeiten von 1601 bis 1603 ist ein Aufleben manieristischer Formelemente in den überlängten Proportionen der Figuren, in den oft diagonalen Kompositionen und im expressiven Pathos der Figuren zu beobachten sind.
1605, gegen Ende des Jahres begibt sich Boscoli kurzzeitig nach Florenz zurück und ein Jahr später, hält er sich in Rom auf. Der Künstler Andrea Boscoli, wird von seinen Biografen als phantastisch-bizarrer Charakter beschrieben, von edlem Lebensstil, Liebhaber der Astrologie, der Musik und Poesie, der in regem künstlerischen Austausch mit Malern und Bildhauern seiner Zeit stand - darf als bedeutendes Vorbild der folgenden Künstlergeneration gesehen werden.